„Rach deckt auf“ – Nur was?

McDonald'sGestern Abend startete die neue Reihe „Rach deckt auf“ bei RTL, die sich mit den Themen Ernährung, Einkauf und Verbraucherschutz beschäftigen soll. Die erste Sendung befasste sich mit dem Thema „Was sind die Alternativen zu Fast-Food & Co.?“

– Sendung noch nicht gesehen? Vorsicht: Spoiler –

Die zuckersüchtige Familie Dahmen

Zu Beginn stellt sich Familie Dahmen vor, eine „Fast Food-Familie“, die ihren Herd in der Küche nur zur Zierde stehen hat (sagt man mir übrigens auch nach, obwohl ich durchaus auch koche 🙂 ) und sich aus Zeitgründen ausschließlich von Fast Food und auswärts zubereiteter Gerichte ernährt. Ehrlicherweise stellen sie auch gleich deutlich heraus, dass sie eigentlich gar keine Lust hätten, daran etwas zu ändern.

Das klingt doch gleich mal nach der idealen Familie, um ein Experiment zur Ernährungsumstellung zu machen. *IronieAus*
Eine „Henkersmahlzeit“ ist noch erlaubt. Ein Besuch in einer bekannten Fast Food-Kette und eine „einmal alles“-Bestellung führen dazu, dass sie – oh Wunder – vom Essen total fertig sind.

Der TV-Beitrag identifiziert Zucker als „das Böse“, deshalb soll Familie Dahmen eine Woche auf ihn sowie auf Fertiggerichte und Fast Food verzichten. Hierzu müssen sie zunächst alle Lebensmittel mit Zuckergehalt aus dem Kühlschrank entfernen.

Hier lernte ich sogar tatsächlich mal was. Zunächst wusste ich nicht, dass die Industrie die Angaben zum prozentualen Tagesbedarf vorgeben und diese etwa doppelt so hoch sind, wie Ernährungswissenschaftler diese einteilen würden. Auch war mir bisher nicht klar, dass auch in Senf Zucker enthalten ist. In 100g Senf einer bekannten Marke sind beispielsweise 1,8g Zucker enthalten. Nur isst für gewöhnlich niemand 100g Senf auf einmal, wodurch diese Zuckermenge aus meiner Sicht nicht wirklich schädigend ist.  Aber: diese Familie sollte ja komplett auf Zucker verzichten und sortiert den Senf ebenfalls aus.

Gemüse: Paprika und GurkeFür die Familie stellt es eine große Überraschung dar, als sie sehen, wovon sie sich nun ernähren soll: Gemüse betitelt die Tochter mit „ekelhaft“ und der Vater fragt nach, was man denn damit machen könne. Schnell liegt ein Abbruch des Experiments in der Luft, aber dann testet doch die ganze Familie und als der Sohn dann das Vollkornbrot sogar mit „lecker“ bezeichnet, lachen die anderen Familienmitglieder. Was jedoch an mit Käse überbackenem Brot gesund sein soll… Warum beachtet „Rach deckt auf“ Fett kaum?

Abschließend hat diese Familie zwar Einblick gewonnen, wie es anders geht, aber ob nach einer Woche wirklich bei ihnen angekommen ist, dass man die Ernährung umstellen muss, bezweifle ich. 

Untersuchungen und Studien

Natürlich bezieht die Sendung auch Experten ein. Ein Arzt begleitet das Experiment. Warum dieser jedoch nur die Haut als Messfaktor für den körperlichen Zustand der Zuckersüchtigen auswählt, verstehe ich nicht. Kann mir das jemand erklären? Mir ist klar, dass ungesunde Ernährung zu unreiner Haut führen kann, aber es gibt doch noch wichtigere Folgen.

Rach untersuchte mit Hilfe eines Labors, ob kalorienfreie Lebensmittel wirklich keine Kalorien haben. Es überrascht mich nicht wirklich, dass dies nicht so ist. So wirklich neu ist also auch diese Information nicht.

Andere Länder, andere Sitten?

In der Sendung bereist Christian Rach zunächst London in Großbritannien, um aufzuzeigen, dass die Briten schon weiter sind, was die Wellfood-Kultur angeht. In London gibt es diverse Geschäfte und Lokale, die gesundes Essen für den schnellen Hunger anbieten. Rach deutet an, dass dieses in Deutschland nicht so sei. Ich fragte mich in diesem Moment, in welchen Städten er gesucht hat. Ich kenne einige Lokale in Hamburg, Düsseldorf und Köln, die gesundes Fast Food bzw. Wellfood anbieten (als Beispiele nenne ich gerne sattgrün in Düsseldorf oder ReweToGo). Christian Rach präsentiert KochAbo, ein Angebot, dass es bei weitem noch nicht in ganz Deutschland gibt und sich nur Besserverdienende leisten können. Da Rach auch keine weiteren Anbieter vorstellt, riecht dieser Teil des Beitrags doch sehr nach Product Placement (oder auch: Schleichwerbung).

Natürlich bereist Rach auch das Land des Fast Foods, die USA. Dass es hier Lokale gibt, die mit extrem Übergewichtigen Geld verdienen, ist ebenfalls nicht neu. Auch die Befragung auf der Straße, wie die Amerikaner zu den Bildern von http://thisiswhyyourefat.com stehen, ist nicht wirklich repräsentativ, da wir nicht erfahren, wie viele Leute RTL befragte und die Personen nicht zeigte, die angeekelt reagierten – auch diese gab es sicherlich.

My two cents

Was hat mir diese Sendung gebracht? Wo ich hoffte, etwas Neues zu erfahren und aufgeklärt zu werden, stellt „Rach deckt auf“ Altbekanntes als große Weisheiten auf. Rach spricht dabei im „Sendung mit der Maus“-Stil sehr oberlehrerhaft, ich habe bis zum Schluss gerätselt, ob das Experiment mit Familie Dahmen Scripted Reality (=Pseudo-Doku) war oder doch das finanzielle Angebot für die Familie einfach gut genug war, um sich hier vorführen zu lassen (auch wenn Rach immer wieder betont, dieses nicht tun zu wollen).
Was ich sehr schade finde ist, dass ich Christian Rach eigentlich für einen intelligenten Menschen halte, der auch bei seinen Sendungen einen gewissen Einfluss auf die Gestaltung hat. Das Format bietet so viele Chancen, ich hoffe, dass die „Rach deckt auf“-Redaktion zumindest ein paar davon in den folgenden Sendungen nutzt.

 

Autor: Jasmin Jodlauk

Social Media Woman / Bloggerin - www.minsworld.de - www.dick-aber-nicht-doof.de - Bergisch Gladbach/Köln

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2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hi Jasmin,
    diesen Beitrag habe ich nicht gesehen. Nach deiner Rezension zu urteilen, habe ich wohl auch nichts verpasst 😀

    Meine 2 cent:
    Ich gehe davon aus, dass wir (du und deine anderen Blogbesucher einschließlich mir) wahrscheinlich aus der Zielgruppe dieser Sendung herausfallen.
    Um es wirklich interessant zu machen, (er)findet der Produzent eine Familie, dessen Essverhalten so schlecht ist, dass sich der normale Zuschauer mit gutem Gewissen besser fühlen kann. Denn so schlimm wie „die da im Fernsehn“ ist man ja selbst nie! Ob echte Doku oder scripted-reality, mit den Mitteln des Fernsehens kann man sicher vieles dramatisieren.
    Ich habe einmal einen Bericht mit Tim Mälzer gesehen, der ein Experiment mit drei Gruppen gestartet hat: Alle essen dieselbe Kalorienanzahl, eine Gruppe als fast food, eine mediterran und eine deftig deutsch. Die Portionen waren natürlich unterschiedlich üppig und die fast-food-Gruppe hat schnell wegen Hungers gemeckert, aber im Endeffekt gab es nach 4 Wochen keine nennenswerten Unterschiede! Das fand ich beeindruckend!
    Hier der Link zu dem Bericht: http://www.daserste.de/unterhaltung/koch-show/tim-maelzer-kocht/specials/tim-maelzer-der-ernaehrungs-check-100.html
    Liebe Grüße, Steffi
    PS: Ich ess jetzt einen Salat. Mit Senfsoße!

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